Seegras für Zuhause


Inhaltsverzeichnis

1. Seegras wofür?
– Gartenerde, Mulch
– Gartengestaltung
– Dämm-Material
– Stopfwolle
– Hautreinigung
– Wundheilung
2. Wie erntet man Seegras?

Auf dieser Seite geht es um den Nutzen von Seegras in kleinen bis mittleren Mengen für den Haus- und Gartengebrauch. Mit Hilfe der Infos sollten Sie in der Lage sein, selbst Seegras zu ernten und aufzubereiten. Falls nicht, rufen Sie an! Gegen Kaffeekasse (oder Kissenkauf) verabreden wir uns gern mit Ihnen und zeigen wie es geht.

Da die Tradition der Seegrasnutzung über rund 60 Jahre verschütt ging und wir selbst noch am Anfang stehen, werden die Möglichkeiten der Nutzung weit über unsere eigenen Ideen und Möglichkeiten hinausgehen. Vor allem, wenn man bedenkt, dass wir das Seegras ja nur säubern. Andere, weitergehende Verfahren können neue Möglichkeiten hervorbringen. Beispiel: Wer ein einfach ausgestattetes Labor hat und damit umgehen kann wie ein Apotheker, ist in der Lage die Inhaltsstoffe im Seegras zu extrahieren und kann dann Salben, Tinkturen, etc. herstellen. Vielleicht ein lohnendes Nebengeschäft? Siehe auch Menüpunkt „Kooperation“.
Wir freuen uns, wenn Sie Ihre Erfahrungen mit uns teilen. Ziel ist, dass wir Seegras als besseren Ersatz für künstliche Produkte einsetzen. Wofür? Es geht los:

1. Seegras wofür?

Seegras kann von Dünger über Stopfwolle und Dämmung bis zu Wundheilung für ganz verschiedene Zwecke genutzt werden. Dabei spielen folgende Eigenschaften eine Rolle: schimmelfrei, milbenfrei, verrottungsbeständig, brennt schlecht (B2), isoliert gut, atmungsaktiv, aseptisch, wundheilend. Wirksame Inhaltsstoffe sind Bor, Rosmarinsäure und Zosterinsäure.

Gartenerde, Mulch
Seegras selbst verrottet nur langsam. Durch eigene Versuche wissen wir, dass Proben nach zwei Jahren in Mutterboden nicht mal ansatzweise Löcher oder andere Zeichen von Fraß zeigen, sie fühlen sich lediglich weicher (fermentiert?) an. Deswegen ist die Funktion von Seegras als Anreicherung im Mutterboden Durchlüftung. Das erleichtert Pflanzen das Wurzelwachstum und kann sich bei schweren Böden wie Düngung auswirken. Tatsächlich „kleben“ an den Seegrasblättern aber Grünalgen und ähnliche Kleinpflanzen, die schnell zersetzt werden und den Boden düngen. Denn: Das Leben kommt aus dem Meer, wo alle Grundbaustoffe gelöst vorhanden sind.
Pflanzen wie die Kartoffel, die leichten, durchlüfteten Boden mögen, wachsen gut auf Seegrasboden. Auf den Lofoten und schottischen Inseln, wo es nur eine dünne Krume gibt, soll seit Jahrhunderten Seegras als Substrat für Kartoffeln eingesetzt werden. Vielleicht sind die dann ja schon vorgesalzen? Auch Tomaten und anderes Gemüse soll gut gedeihen.
Wichtig ist folgendes: Weil am feuchten Seegras noch Meerwasser „klebt“, gibt das Seegras bei den ersten Regengüssen Salz ab. Für hochsensible Keimlinge ohne viel eigene Substanz wie Kresse kann das störend wirken. Dicken Knollen hingegen scheint das egal zu sein. Wer sicher gehen will, bringt das Seegras im Herbst in den Boden ein und lässt das Salz durch Schneeschmelze und Regen auswaschen. Im Frühjahr hat man dann einen erstklassigen Boden. Vor einer Versalzung des Bodens oder gar des Grundwassers muss man sich bei der Menge Ostseewasser (halber normaler Salzgehalt) wohl keine Sorgen machen. Daten dazu haben wir noch nicht.
Als Dünger sammelt man nicht das frische, langblättrige Seegras ein, weil die langen Fasern bei der Bearbeitung des Bodens stören. Man sucht vielmehr nach dem schwarzen, Kurzschnipseligen, das sich in seichten Buchten und oben am Spülsaum absetzt. Wie die Zusammensetzung genau ist, spielt nicht so die Rolle, Hauptsache kurzfaserig. Bisweilen meint man, dass gerade diese „Pampe“ stinkt. Gehen Sie mit der Nase wie an einen Komposthaufen ran, stecken Sie die Finger rein: Riecht es frisch, erdig, gut? Oder faulig, dann lassen sie es liegen. Sammeln Sie ein und geben Sie dem Substrat die Chance, über nacht abzutropfen. Fertig. Dann nach und nach einarbeiten bis sich die Erde kompostartig anfühlt.

Gartengestaltung
Wenn im Frühjahr die Küstengemeinden das Seegras mit großen Baumaschinen zusammenschieben und wegfahren, entsteht aus der Mischung von Pflanzen und Sand eine (Fertig-)Mischung, die sich zur Gartengestaltung einsetzen lässt. Der Sand bildet die Substanz, das Seegras verbindet und hält die Feuchtigkeit und die Grünalgen düngen. Versuche haben gezeigt, dass sich damit vorzüglich Dünen bauen lassen, ebenso Wälle, Knicks, trockene Wege, etc. Die biologische Kraft ist so stark, dass die Oberflächen nach vier Wochen begrünt sind.
Hier muss man jetzt ein bisschen experimentieren. Der Sandgehalt schwankt, es kann sein, dass man Sand noch hinzufügen muss. Um schnelles Anwachsen nicht nur von Pionierpflanzen zu ermöglichen, bildet man vielleicht eine Deckschickt aus Kompost. Eventuell ist viel Blasentang mit dabei, den man raus sammelt, weil er streng riechen kann. Auch kann Müll mit dabei sein. Nach eigenen Erfahrungen ist der Kunststoffmüllanteil an der Schleswig-holsteinischen Ostseeküste jedoch sehr gering. Außerdem liegt Kunststoff meist obenauf und lässt sich einfach absammeln.
Wie kommt man an diese Mischung ran? Da es verboten ist, Sand vom Strand mitzunehmen, muss man auf die Abfuhr-Arbeiten der Gemeinden warten. Die sind in den Wochen vor Ostern, also genau richtig zum Anfang der Vegetationszeit.
Wir wollen dafür eintreten, dass die Räumtermine in Zukunft in den Zeitungen veröffentlicht werden. Bis dahin rufen Sie den Bauhofleiter der nächsten Küstengemeinde an. Keine Scheu, der freut sich und wirft Ihnen im Zweifel gleich eine Baggerschaufel voll ins Auto.
Kleine Mengen holen Sie also selbst ab. Mittlere Mengen bis fünf Kubikmeter kann Ihnen die Strand-Manufaktur vorbeibringen. Große Mengen verhandeln Sie direkt mit dem Bauhofleiter. Wenn er echtes Geld haben will, rufen Sie den nächsten an. Wenn er zugibt, dass er froh ist, wenn der Sch… wegkommt, zeigen Sie sich sportlich an der Kaffeekasse.

Dämm-Material
Als Dämm-Material hat Seegras gute und teils einzigartige Eigenschaften (s. auch Menüpunkt „Wiki-Seegras“) und ist bauphysikalisch durchgeprüft. Es wird lose eingearbeitet. Man widersteht der Versuchung, alles auf einmal in die Verschalung zu werfen, weil sich dadurch Nester mit inhomogenen Dämmeigenschaften bilden; vielmehr stopft man kleine Mengen mit gleichmäßig leichtem Druck. Das nötige Seegras kann, wer einfach natürlich dämmen will, beim „Baltischen Seegras-Handel“ in der Nähe von Lübeck in großen Ballen bestellen. Kerniger ist natürlich eigenes. Hierfür brauchen wir lange Fasern. Wenn sie schon braun sind, macht das nichts, aber die frischen grünen Blätter im Spätsommer bilden am meisten Volumen.
Das frische Seegras am Strand zu finden, ist kein Problem. Wichtiger ist Sortenreinheit. Denn andere Pflanzen wie Blasentang auszusortieren, kann zu einer endlosen Arbeit ausarten. Besser man sucht nach reinen Seegrasanspülungen. Dann per Hand und Schubkarre zum Auto. Zuhause spülen Sie das Seegras, z.B. in einem Planschbecken im Garten aus, um das anhaftende Meersalz abzuwaschen und Fremdstoffe auszusortieren und dann wie in der Heuernte: auslegen, wenden, abends abdecken und vorm Regen reinkriegen. Lagerung in ausrangierten Bettbezügen.
Vom Prinzip her einfach, vom Spaßfaktor hoch, kann die Arbeit bei Mengen zwischen 15 und 40 Kubikmeter für ein Einfamilienhaus dennoch ausarten und vielleicht den Bau verzögern – super Voraussetzungen für eine harmonische Partnerschaft.
Wegen der Mengen sollten Sie an einen Pferde-Anhänger oder ähnliches rankommen. Kurze Wege zum Seegras haben Sie an Kurstränden, auf den Wegen der Gemeindetrecker und dort, wo kleine Boote zu Wasser gelassen werden. Verboten sind Naturschutzstrände (fast die gesamte Küste außerhalb der Kurstrände), aber auch uninteressant, weil man kaum mit dem Auto in die Nähe kommt. Wer spekuliert, mit seinem SUV auf den Strand zu fahren, soll sich einmal angucken, wie sich ein Allradkipplaster im Sand einbuddeln kann.

Stopfwolle
Die Produktion von Stopfwolle für Kissen, Matratzen und alle anderen erdenklichen Einsätze: Schuheinlagen, Stofftiere oder Bootsfender, ist der Kern unserer Arbeit. Stopfwolle kann man bei uns kaufen – oder selbst sammeln. Denn Mengen, die man in einer IKEA-Tüte nach Haus schleppen kann, lassen sich ohne viel Aufwand waschen, trocknen und stopfen: Wenn Ihnen der Hausfriede lieb ist, nehmen Sie nicht die Badewanne (ausgenommen Klempner), sondern einen Mauererbottich im Garten. Sie wollen sich das Seegras später unter den Kopf legen, also waschen Sie mit den Bewegungen einer kräftigen Waschfrau so lange, bis sie zufrieden sind und sortieren Sie unterdessen alle Fremdstoffe aus. Das Waschwasser kippen Sie auf die Blumen – allerbester Dünger. Trocknen auf Laken im Garten oder an der Heizung. Wenden, auflockern, fertig. Je dünner Sie auslegen, umso schneller geht es. Und dann: stopfen. Gleichmäßig kleine Mengen, zuerst in die Ecken. Ihr Bezug sollte blickdicht sein, weil trockenes Seegras staubt und einen Reißverschluss zum Nachstopfen haben. Mit der Zeit legt sich die Füllung und die Fasern zerbröseln durch die Reibung. Es bildet sich ein weiches Volumen ähnlich Flocken. Nicht wegschmeißen, sondern nachstopfen, weil wunderbar weich. Weitere Infos unter „Produkte – Pflegehinweise“.
Als Stopfwolle kommen natürlich als Erstes die frischen, grünen Blätter in Frage. Tatsächlich können die aber auch recht strohig sein. Die braunen, aber immer noch langen Fasern, die über Winter und Frühjahr angespült werden, sind weicher – zerreißen aber auch schneller. Die Ernte ist also von August bis Ostern mit abnehmender Festigkeit und zunehmender Weichheit der Fasern.

Angefügt vielleicht noch die Königsklasse im Polsterbau: Matratzen. Wenn Sie eine Matratze gedanklich auf einen übergroßen Sack reduzieren können – was Jahrtausende lang normal war – brauchen Sie nur eine entsprechende Menge an Seegras – rund einen Kubikmeter. Nehmen Sie dazu einen Bettbezug, der größer als das Bett ist, weil die Maße ja ohne die Wölbung durch Füllung gemessen sind. Für ein 200 x 100 Bett also 220 x 140. Füllen Sie ihn mit Lust und Laune, werfen Sie ihn aufs Bett und sich obendrauf – in Traum. Die erste Nacht wird unvergesslich bleiben, weil man einfach in nichts so göttlich versinken kann. Am nächsten Morgen kommt dann die Ernüchterung: ganz schön platt. Naja, was hatten Sie erwartet, dass die Fasern sich aufstellen wie Sprungfedern? Ihr Bett wird von Nacht zu Nacht platter, nur jetzt kommts: Sie liegen immer mehr ihr eigenes Schlafprofil in die Füllung. (Ähnlich funktionieren Fahrradsättel mit Gel.) Die Matratze bildet immer mehr Ihr Schlafverhalten ab. Das entstehende Profil ist nur deswegen unerwünscht, weil wir damit eine durchgelegene Matratze assoziieren und denken:“ Zeit für eine Neue.“ Hier aber ist es gewollt. Vor allem, wenn Rückenschmerzen und Verspannungen abnehmen. Tatsächlich wird die Matratze hart an den Stellen mit dem meisten Druck, den Hüften. Macht nichts, gibt ja einen Reißverschluss zum Nachstopfen oder besser nachlegen. Nicht zuletzt ist es ein wunderbares Wissen und Gefühl auf wirklich reiner Natur  zu schlafen – plus selbst gestopft.
Der Nachteil dieser Matratze ist schlicht, dass sie nicht transportfähig ist, es sei denn man denkt sich eine Unterkonstruktion aus Türblättern, Leitern o.ä. aus. Für Studenten und andere Wohnungswanderer also nicht so geeignet. Sehr dagegen für Sommerhausbetten, die gern im Winter mucheln, was ja bei Seegras nicht geht (siehe Menü: Wiki-Seegras).

Hautreinigung
Den Sommer über ist in der Strand-Manufaktur Wasch- und Trockensaison. Teils habe ich die bloßen Hände den ganzen Tag im Waschwasser. Man würde erwarten, dass sie trotz Mengen an Hautcremes und Öl eingerissen, spröde, ausgelaugt sind. Tatsächlich ist die Haut jedoch –ohne jegliche Schmiermittel – gesund und heil, die Nagelbetten fester als zuvor. Woran liegt es? Wahrscheinlich an den Inhaltsstoffen Rosmarinsäure und Bor, denen eine reinigende, heilende Wirkung nachgesagt wird. Das ist biologisch plausibel, weil sie die Pflanze vor Bakterien, Viren und Pilzen schützen.
Wer also seiner Haut Gutes tun will, lässt (nur ein Vorschlag) einen Kopfkissenbezug mit sauberem, ungewaschenem Seegras wie einen Teebeutel im Badewasser ziehen. Eine Handvoll rausnehmen und damit die Haut schrubben – fühlt sich an wie nach Sauna: sauber, durchblutet, etwas trocken. Restliche Seegrasschnipsel am Körper fangen mit der Zeit an zu jucken. Keine Sorge, das liegt daran, dass sich das Seegras beim Trocknen kräuselt und die dran klebende Haut mitzieht. Besser gründlich abduschen und lange Haare vorher hochbinden.
Wer das Seegras pur genießen will, kann es auch direkt ins Badewasser geben, ein wunderbares Gefühl, wie ein Naturaufguss. Hinterher muss man das Wasser aber mit Eimern ins Klo schütten, um den Abfluss nicht zu verstopfen. Und das ist schon ein kleiner Akt.
Wem das alles zu aufwändig ist, läuft im Sommer am Strand barfuß über Seegras. Bei Fußpilz, Schwellungen, oder rissiger Haut kann das nur gut sein, denn: Früher trieben die Küstenbauern ihre Tiere ein, zwei Mal im Jahr am Spülsaum entlang, um Hufkrankheiten vorzubeugen oder zu heilen.

Abschwellen, Wundheilung
Wegen der oben beschriebenen, heilenden Wirkung hatte ich schon länger im Kopf, meine nächste Wunde testweise mit Seegras zu heilen. Es dauerte ein paar Monate, bis ich vom Laster sprang und dabei gegen den Bügel vom Scheunentor haute. Schmerzen. Abends eine Beule am Ellenbogen, halbe Tischtennisballgröße, pochend. Habe eine Socke abgeschnitten, über den Ellenbogen gezogen und eine Lage frisches, ungewaschenes Seegras zwischengelegt. Am nächsten Morgen war von der prallen Beule nur noch leicht verdickte Haut über, abends alles weg, inklusive Schmerzen. Deswegen ist Seegras bitte kein Wundermittel, sondern hat – wie viele Pflanzen – Eigenschaften, die für andere Lebewesen von Nutzen sind.
Also: Sammeln Sie einen Einkaufssack voll Seegras! Am besten frisch, feucht und grün, weil die Wirkung wie bei anderen Pflanzen mit zunehmendem Welken abnimmt. Stopfen Sie das Seegras in einen Kopfkissenbezug, legen Sie das Päckchen ins Gefrierfach. Bei allen stumpfen Verletzungen wird es nicht nur kühlen wie Gelpacks, sondern zugleich heilen. Also zwei in eins. Übrigens muss es für die Wirkung nicht ins Kühlfach, nur zur dauerhaften Lagerung. Auch bei offenen Wunden soll Seegras von Vorteil sein, für Testergebnisse muss ich aber erst noch auf die Nase fallen.

Nachtrag: Wenn Sie am Strand entlanglaufen und etwas genauer auf den Spülsaum gucken, wenn Sie sich bücken, die Pflanzen in die Hände nehmen und dran riechen – so sehen meine Strandspaziergänge mittlerweile aus – werden Sie feststellen, dass es nur selten unangenehm riecht. Eklig sind tote Tiere, aber wer blind in eine Möwe langt, ist selbst schuld. Ein Krebs hat mich noch nie gezwickt, in dickeren Lagen Seegras sind die meist tot, wahrscheinlich erstickt.
Wenn es unter Ihnen stinkt, dann ist da was umgekippt, wegen hoher Temperatur, viel Licht, viel Organischem, mangelndem Sauerstoff und wahrscheinlich menschlichen Einleitungen. Und das ist dann kranker Strand, wo man nicht erntet.

2. Wie erntet man Seegras?

Am effektivsten ist, wenn Sie einen Heimatstrand haben, an dem Sie oft spazieren gehen. Diesen Strand kennen Sie durch die Jahreszeiten, sehen das ständig veränderte Bild der Hochwasserlinien und haben einen geübten Blick. Denn wann, wo das beste Seegras ankommt, ist eine trickreiche oder schlauer: multifaktorielle Geschichte.

Windstärke und –richtung nicht nur heute, sondern der letzten Tage, bestimmen, ob Seegras angespült wird.
Der Winkel von Küstenlinie zu Wind zusammen mit dem Profil des örtlichen Meeresbodens entscheiden, ob es auf den Strand geklatscht oder seicht abgelegt wird.
Die Jahreszeit entscheidet, was noch im Treibsel ist: Bei hoher Kleinalgendichte musst du viel spülen, bei viel Blasentang ewig sortieren.

Deswegen geht man auf Seegrassuche lieber mit „mal gucken, was es heute gibt“ als „ich brauch unbedingt noch“. Ist eben Natur. Was bei ernsthaften Vorhaben wie Hausdämmung schlicht bedeutet, dass man eine Saison vor Baubeginn schon erntet. Wer dagegen fröhlich über eine Portion Wundheilung für die Kühltruhe vom Strandspaziergang nach Haus kommt, ist eher auf der Siegerseite.

Ausrüstung
Eine Ausrüstung braucht man in dem Sinne nicht: Tüte in die Jackentasche, Hosen hochkrempeln, fertig.
Im Herbst oder bei ernsthaften Mengen sind alte Schuhe gut, um die Füße zu schützen, Surfschuhe gehen auch, Gummistiefel taugen nur, so lange sie nicht volllaufen. Eine Wathose und ellenbogenlange Handschuhe erweitern die Erntesaison.
Auch größere Mengen nehme ich am liebsten mit den Händen auf. Das ist besser als mit Handschuhen oder Forke, weil man fühlt, ob es was taugt. Die Sorge, da irgendwo in was hineinzugreifen, vergeht, sofern man nicht in irgendwas hineingreift. Viel Glück. Zum Waschen reicht bei kleinen Mengen ein Eimer, zum Trocknen Zeitungspapier.

Wer größere Mengen braucht, ist mit einer Schubkarre bestens versorgt. Das dicke Rad schiebt sich gut, sofern man nicht über feinen, trocknen Sand kurvt. Man kann erstaunliche Strecken mit Schubkarre am Strand zurücklegen (und dabei erstaunte Gesichter beobachten). Transport per PKW fällt dann natürlich aus, Kombi auch. Im VW-Bus sollte man eine Wanne aus LKW-Folie o.ä. aufstellen, weil das raus tropfende Wasser ja salzig ist – hallo Rost. Am besten, man hat einen Hänger. Oder wohnt am Strand.
Die Waschkapazitäten lassen sich in Badewannen, Planschbecken und Mauererkübeln berechnen. Besser mehrere kleine, als eine große. Wir legen vorm Waschen Stohrs in die Wannen, die das Seegras wie Pommes im Frittenfett halten. Die rausgewaschenen Substanzen Sand, Grünalgen, Pflanzenreste rieseln hingegen zu Boden. Am nächsten Morgen kann man mit dem Wasser weiterwaschen. Also besser schmal und tief als breit und flach. Und ein Gestell in Arbeitshöhe bietet Erleichterung gegenüber der Tiefe eines Planschbeckens aufm Rasen. Waschwasser kippt nach ca. drei Tagen um, kann als Gießwasser genommen werden.

Trocknen
Früher hat man das Seegras auf frischgemähte Wiesen gelegt, sich abregnen lassen und es im Herbst nach längerer Trockenperiode reingeholt. Kann man heute genau so machen, spart man sich das Waschen. Einen enormen Produktivitätssprung macht man aber mit überdachter Trocknung im besten Fall mit einem Gewächshaus – da geht es sogar im Winter. Wintergarten geht genau so, könnte aber Stunk geben. Wer keine Überdachung hat, legt das Seegras auf Stoffen auf dem Rasen aus. Auf Stoffen, weil man die schnell zusammenraffen kann, wenn Regen kommt. Ein altes Segel geht auch und ist größer und kann unter ein Carport gehängt werden. Als Maßstab für Trocknungszeiten: wie Wäsche. Im Sommer bei Ost in einem halben Tag, bei Schmuddelwetter gar nicht. Je dicker die Lagen, umso länger dauert es. Lieber viele, dünne Lagen.Falls man mehr verarbeitet hat, als man braucht, lagert man Seegras in einem alten Bettbezug: luftig und dunkel.

Schließlich noch: Wie lagert man ungewaschenes Seegras? Auf einem Haufen, der viel Luft und wenig Wärme abkriegt. Mit der Zeit bildet sich eine Kruste, die den Regen ableitet. Drinnen bleibt das Milieu konstant. Der Geruch wird mit der Zeit erdig-neutral, sehr ähnlich Kompost. Sollte der Haufen anfangen zu stinken, haben Sie an einer Stelle gefischt, die durch Abwässer verunreinigt war, haben zu viel Blasentang dazwischen oder „nasse Füße“. Also keine Senken als Standort wählen.

Soweit, viele erste Erfolge,

Kristian Dittmann